Taras Schewtschenkos 200. Geburtstag

Die Ukraine und UNESCO feiern heute Taras Schewtschenkos 200. Geburtstag.

Taras Schewtschenko ist ein Begründer der ukrainischen Sprache, bedeutender Maler, „Vater der Nation“, der das national-patriotisches Denken in der Ukraine im 19. Jahrhundert einführte und die zaristische russische Herrschaft über sein Land ablehnte. Das Jahr 2014 wird in der Ukraine zum „Schewtschenko-Jahr“ erklärt.

Die Hauptveranstaltungen in Kiew zu Ehren des ukrainischen Genies finden heute vor allem auf dem Majdan statt, wo jedermann die Kunst des Meißels einer Schewtschenko-Statue aus Espenholz mit Hilfe von Messer und Hammer probieren kann.

Taras Schewtschenko

Schewtschenko-Statue aus Espenholz auf dem Majdan. Bildquelle: timenews.in.ua

Taras Schewtschenko

Schewtschenko-Statue aus Espenholz auf dem Majdan. Bildquelle: timenews.in.ua

Interessante moderne Veranstaltungen wie die Nacht der Filmkunst, Musik und Poesie unter dem Motto „Schewtschenko-Epoche“, das Projekt Schewtschenko/MANIA finden auch im Kunst-, Kultur- und Museumskomplex „Mystetskyj Arsenal“ statt.

Überall in Kiew und in der Ukraine wird man Gedichte von Taras Schewtschenko lesen. Unter den Bekanntesten davon sind folgende Zeilen, die zum Motto der Revolution auf dem Majdan wurden.

Euch auch Ehre, blaue Berge,
Gletscher unermessen!
Ehre euch, ihr großen Helden,
nicht von Gott vergessen.

Kämpft nur, kämpfet und ihr werdet
Sieger des Gefechtes!
Euch hilft Gott, die Kraft, die Freiheit
und die Macht des Rechtes.

(Auszug aus dem Poem „Kaukasus“, Übers. J. Virginia)

Taras Schewtschenko schrieb politische und soziale Gedichte. Im folgenden Gedicht beschreibt er das schwierige Schicksal einer Leibeigenen:

EIN TRAUM

Sie mähte Weizen für den Herrn,
War müde; doch nicht auszuruhn
Ging zu den Garben sie — zu nähren
Den Sohn Iwan; was sollt‘ sie tun?
Der lag und schrie in seinen Windeln
Im Schatten bei den Garben dort.
Sie legt ihn trocken, gibt dem Kinde
Die Brust und herzt es, und sofort
Fällt, wie sie sitzt, der Schlaf gelinde
‚Auf sie herab. Von ihrem Sohn,
Von Iwan träumt sie. Reich und fröhlich
Ist er, verlobt und bald verehlicht
Mit einer Freien! Selber schon
Ist er kein Knecht ja mehr. Als Freie
Mahn sie auf eignem Feld zu zweien
Den Weizen fröhlich; sie umringt
Die Kinderschar, die Essen bringt.
Da lächelte die Arme leise
Und wachte auf— nichts rings im Kreise!
Auf Iwan blickte sie verstohlen,
Nahm ihn, tat nach den Windeln sehn
Und ging dann, wie’s der Vogt befohlen,
Das Weizenstück zu Ende mahn.

(Übers. A. Kurella)

Unter anderem schuf er auch eine zarte lyrische Poesie.

Im Kirschengärtchen vor der Hütte
Der Käfer summendes Gebraus;

Die müden Pflüger ziehn nach Haus.
Die Mädchen singen. Ihre Mütter
Erwarten sie zum Abendschmaus.
Man ißt zu Abend vor der Hütte;
Der Abendstern geht auf und blinkt.
Das Abendbrot die Tochter bringt,
Sie hört nicht Mutters Rat und Bitte,
Die Nachtigall betörend singt.
Dann legt die Mutter vor der Hütte
Die Kleinen schlafen wieder mal
Und geht zu Bett. Still überall.
Es zwitschern nur nach alter Sitte
Die Mädchen und die Nachtigall.

(Übers. E. Weinert)

Beitrag erstellt von Nataliya und Pavlo.

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