Michaelskathedrale und St. Michaelskloster in Kiew

Die Michaelskathedrale ist eine der Top-10 Sehenswürdigkeiten in Kiew. Die 1108 angelegte zuerst einkuppelige Michael-Kathedrale war die erste Kirche mit vergoldeter Kuppel in der Kiewer Rus und lange Zeit die einzige goldkuppelige Kirche landesweit. Von hier aus verbreitete diese Tradition durch das ganze Land.

Michael-Kathedrale in Kiew

Die Michaelskathedrale in Kiew

Das Goldkuppelige Michaelskloster überstand viele stürmische Ereignisse in der Geschichte der Ukraine, war einer der Symbole der Ukraine nach der Umbau im ukrainischen bzw. Kosaken-Barockstil, wurde aber zurzeit von stalinistischem Atheismus zerstört. Heute spielt das St. Michaelskloster wieder eine große Rolle im Lande und ist nicht nur ein geistliches sondern auch ein Kultur- und patriotisches Zentrum. Die mit wunderbaren Mosaiken und Fresken reich geschmückte Michaelskathedrale ist sowohl von vielen Sagen, als auch von mehreren historischen Spekulationen und Geschichtsstreiten umwoben.

Michaelplatz in Kiew

Der Michaelplatz in Kiew

Legenden und Geschichte

Laut Überlieferung war die Michaelkirche als erste orthodoxe Kirche vom legendären ersten Kiewer Metropolit Michail am „Teufels-Ort“, wo heidnischer Idol stand, erbaut. Seitdem gilt der Erzengel Michael als Schutzpatron der Stadt Kiew.

St. Michaelskloster im 12. Jahrhundert

Das St. Michaelskloster in Kiew im 12. Jahrhundert. Bildquelle: archangel.kiev.ua

Nach der Kirchengeschichte wurde die erste Michaelkirche dem Wunder vom Sturz des Satans durch den Erzengel Michael gewidmet. Nach einer der Sagen war die St.-Michael-Kirche mit den 15 golden glitzernden Kuppeln gebaut. Laut Chronik „Erzählung der vergangenen Jahren“ überliefert vom Mönchen Nestor aus dem Kiewer Höhlenkloster Lawra, dem Rivalen des Michaelsklosters, hat aber der Kiewer Großfürst Swjatopolk die Michaelkirche erst 1108 erbaut und wurde hier wie viele andere prominente Nachkommen begraben. Die meisten Historiker behaupten, dass es eine durch die Klostermauer und das Erdwerk getrennte Stadt von den Kiewer Großfürsten Isjaslaw und Swjatopolk und später Michaelschloss ringsum das Michaelskloster Jahrhunderte lang bestand.

Der neue Aufschwung in der Geschichte des Klosters begann erst im 16. Jahrhundert, als hier der Sitz von Kiewer Metropoliten und fast die ganze Stadtmitte des heutigen Kiews im Eigentum des Michaelsklosters war. Fast alle Hetmanen und Zaren haben das Michaelskloster in Kiew unterstützt und gefördert. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde die Michaelskathedrale im ukrainischen Barockstil umgebaut.

Darstellung von Kosakenhetmanen

Die Darstellung von Kosakenhetmanen in der Michaelskathedrale in Kiew. Bildquelle: archangel.kiev.ua

Auf der Freske im linken Heilige-Barbara-Schiff sind heute Kosakenhetmanen Petro Konaschewytsch-Sahaidatschnyj, Bohdan Chmelnyzkyj und Iwan Skoropadskyj dargestellt. Diese Fördertradition setzt man auch heute auch fort. Als Mäzene der Vergoldung der Erzengel-Michael-Skulptur traten die Brüder Klitschko ein. Diese Kopie ist über dem Haupteingang zur wieder aufgebauten Michaelskathedrale angebracht, wobei man das Original im Klostermuseum zu sehen ist.

Viele Legenden und Wunder sind mit dem Hauptheiligtum des Michaelsklosters – den Reliquien der Heiligen Barbara – gebunden. Die Gebeine der 306 geköpften und von der gesamten christlichen Welt für den unverrückbaren Glauben verehrten Großmärtyrerin waren in der Michaelskathedrale von der Zeit der Kiewer Rus bis zu 1930gen Jahren ausgestellt und befinden sich jetzt in der Wolodymyrkathedrale in Kiew. Lange Zeit waren die über dem Silberschrein mit Reliquien der Heiligen Barbara eingeweihten kleinen Kruzifixe und „Barbara-Fingerringe“ die Hauptsouvenirs für alle – reiche und arme – Pilger, die nach Kiew, die nach Jerusalem zweitbedeutendste orthodoxe Stadt der Welt, kamen. Im 19.-20. Jahrhunderten gab es auch ein volkstümlicher Namen des Michaelsklosters – das Barbara-Kloster – und die Jahrmärkte am Platz vor dem Kloster nannte man Barbara-Jahrmärkte. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war das Michaelskloster zweit- oder drittbesuchter Pilgerort.

Zurzeit des ersten Weltkrieges wurden auf dem Gelände des Klosters Heerestruppen verschiedensten Armeen unter anderem auch Panzertruppen stationiert. 1918 war die Michaelskathedrale von Artillerieschüssen der bolschewistischen Truppen 7 Mal getroffen. Während der deutschen Besatzung von Kiew gab es auf dem Gelände des Michaelsklosters ein Konzentrationslager für sowjetische Kriegsgefangene. Nach der Befreiung von Kiew wurde hier ein Lager für deutsche Kriegsgefangene veranstaltet.

Entwurf des Regierungszentrums in Kiew. 1934

Einer von mehreren Entwürfen des Regierungszentrums anstelle des Michaelsklosters. Architekt: Dmitri Tschetschulin, 1934. Bildquelle: alyoshin.ru

Regierungszentrum in Kiew. Entwurf von J. Langbard, 1935-1938

Regierungszentrum in Kiew. Entwurf von Josif Langbard, 1935-1938. Bildquelle: alyoshin.ru

Anstelle und neben dem Michael-Kloster konnten in den letzten 80 Jahren viele wichtige Gebäuden gebauten werden. Nach Verlegung der Hauptstadt der Sowjetrepublik Ukraine von Charkiw nach Kiew (1934) wollte man anstelle des Klosters ein neues Regierungszentrum mit dem größten Platz in Europa (mit viel Raum für Paraden) zwischen und anstatt von Michael- und Sophienklostern zu bauen. Es gab mehrere Entwürfe, u.a. auch mit einer riesigen Lenin-Skulptur anstelle der Standseilbahn sowie einer Potemkinschen Treppe ähnlichen Treppe zum Dnipro. Mykola Makarenko, der einzige Wissenschaftler, der die Akte zur Vernichtung der Michaelskathedrale „wegen mangelnden historischen Wertes“ nicht unterzeichnet hatte, wurde verhaftet und erschossen. Seit 1996 ziert die Makarenko-Gedenkbüste die Mauer neben dem Wirtschafts-Tor des Klosters. Anstelle des abgebauten und schließlich 1937 in die Luft zersprengen Michaelkathedrale sollte ein dem Gebäude des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei (heute befindet sich hier das Außenministerium der Ukraine) ähnliches symmetrisches Gebäude für Rat der Volkskommissare der Ukraine gebaut werden. Es gibt viele Gerüchte und Legenden darüber, warum dieser Bauentwurf nicht verwirklicht wurde. Diejenigen Parteichefs, die es eingeplant haben, wurden aber während Repressivmaßnahmen zum Tode verurteilt. Nach dem zweiten Weltkrieg konnte hier das Bibliothek-Wolkenkratzer oder die Konzerthalle „Palast Ukrajina“ errichtet werden. Zurzeit der unabhängigen Ukraine plante man an diesem sakralen Ort eine Holodomor-Gedenkstätte mit riesenhohem Kreuzdenkmal zu bauen.

In den Nachkriegsjahren gab es anstelle der Kathedrale Tennisplätze, Rosenpark sowie auch erster Skulpturenpark in Kiew (1988) mit Perestroika-Themen des Bildhauer-Pleinairs „Taufe der Kiewer Rus“ und „Folgen der Katastrophe im Tschernobyl-Atomkraftwerkt“.

Wiederaufbau der Michaelskathedrale und Gegenwartsgeschichte

1998-2000 wurde die Michaelskathedrale in Form der Barockkirche aus dem frühen 18. Jahrhundert wieder aufgebaut.

Innenraum der Michaelskathedrale

Innenraum der Michaelskathedrale. Bildquelle: archangel.kiev.ua

Heilige-Barbara-Schiff der Michaelskathedrale

Heilige-Barbara-Schiff der Michaelskathedrale in Kiew. Bildquelle: archangel.kiev.ua

Da es mehrere Fotos, Malerei und Zeichnungen erhalten geblieben sind, ist das Gebäude der Kathedrale über die alten erhalten gebliebene Original-Fundamente eine genaue Kopie vom außen und teilweise im Innenraum (mit Kopien der altrussischen Mosaiken und Fresken im Hauptschiff und Barockmalereien in den Nebenschiffen).

Im wiederaufgebauten Glockenturm des Michaelsklosters gibt es heute das einzige Carillion in der Ukraine, eine Kirche und das Museum für die für die Geschichte des Goldkuppeligen Michaelsklosters. Die Besteigung des Glockenturms ist möglich.

Obwohl Kriegsbeute aus Deutschland nach Michaelskathedrale zurückgekehrt worden war, wurden die nach Russland zur Ausstellung gemieteten Mosaiken bisher nur teilweise zurückgekehrt. Die Wertvollste davon, zum Beispiel die berühmteste Mosaik-Darstellung des Heiligen Demetrios von Thessaloniki, lagern in der Staatlichen Tretjakow-Galerie in Moskau sowie im Russischen Museum in Sankt-Petersburg. Die hochwertigen Mosaiken der Michaelskathedrale sind heute in diesem Museum und in der Sophienkathedrale in Kiew zu sehen.

2013-2014 stand das St. Michaelskloster in der Mitte der Ereignisse der Revolution der Würde. Zum ersten Mal nach dem Überfall der mongolischen Horden von Batu-Khan im Jahre 1240 hat man während des „Ausräumen“ vom Euromajdan durch Einsatzkräfte Sturm geläutet. Gerade in diesem Kloster haben Protestierenden Schutz und Asyl gefunden. Auf dem Michaelplatz gab es Barrikaden. In der Michael-Kathedrale hat man sogar chirurgische Eingriffe durchgeführt. Und auf dem Gelände des Michaelsklosters hat man den letzten Abschied mit einigen der Helden von Himmlischen Hundertschaft genommen. Daran erinnert der Square von Helden der Himmlischen Hundertschaft mit der Wandmalerei für den ersten Opfer der Revolution Serhiy Nigoyan, der von Volontären neben der Michael-Kathedrale als eine Art Wiederstand der Zivilgesellschaft gegen die Pläne zur Bebauung des anliegenden Hofes mit noch einem Wolkenkratzer-Hotel angelegt wurde.

Heute dienen die Mönchen der Michaelskathedrale und anderer Kirchen des Kiewer Patriarchat als Militärgeistliche im Osten der Ukraine. An der Klosterwand rechts vor dem Haupteigang gibt es Plakaten mit den gefallenen Helden des Krieges im Donbass.

Besonderheiten und Umgebung des Klosters

Eine der Besonderheiten der altukrainischen Bauweise – die Wandmalereien auf den Außenmauern neben dem Torkircheneingang – ist am Glockenturm links und rechts zu sehen.

Glockenturm des Michaelsklosters

Der Glockenturm des St.Michaelsklosters

Rechts sehen Sie zum Beispiel das malerische Antlitz der hölzernen Altstadt in den 10-13. Jahrhunderten und links – die Darstellung von Kiew Anfang des 20. Jahrhunderts sowie die Darstellung von Swjatopolk und der Heiligen Barbara. Die andere – weltberühmte – Darstellung der heiligen Barbara kennt man heute dank dem Gemälde „Sixtinische Madonna“ von Raffael.

Kirche von Johannes dem Täufer

Die Kirche von Johannes dem Täufer in Kiew

Auf dem Klostergelände kann man das einzigartige Bild mit goldenen Kuppeln der Michaelkathedrale und hölzernem Schindeldach der daneben im Original erhalten gebliebenen Kirche von Johannes dem Täufer (1713) betrachten.

Denkmal für die Fürstin Olga

Das Denkmal für die Fürstin Olga, den Apostel Andreas und die Heiligen Kyrill und Method

In der Nähe des Michaelsklosters gibt es auch eine Menge von interessanten Sehenswürdigkeiten wie beispielsweise der Wolodymyr-Hügelpark (auf dem Gelände des ehemaligen Michael-Berges), die Standseilbahn (Funiculaire, ehemaliger mechanischer Michael-Aufzug), das Denkmal für die Opfer der Hungersnot 1932-1933 (bzw. Holodomor), das Denkmal für die Fürstin Olga, den Apostel Andreas und die Heiligen Kyrill und Method u.v.a.

Die goldenen Kuppeln der Michaelskathedrale sind die Visitenkarte von Kiew. Zum ersten Mal wurde 2017 die Neujahrsansprache des Präsidenten der Ukraine an der Michaelskathedrale aufgenommen. Wollen Sie die Seele der Kiewer Bürger besser verstehen, dann gehen Sie einfach zum Michaelskloster und ringsum. Sie finden dabei sowohl gesegnete Stille, als auch rauschende Feste. An Wochenenden und besonders an Feiertagen wie z.B. am Stadtfest, an Weihnachts- oder Europatagen tobt hier das Leben. Es gibt aber auch eine Möglichkeit, das Michaelskloster mit virtueller Tour online zu besuchen.

Beitrag erstellt von Pavlo Miadzel

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